Regions-Serie: Sehnde – einmal muss es vorbei sein …
Die „Blauen Jungs Bolzum“ sind traurig. Sie haben sich auf dem Sehnder Rathausplatz hinterm Amarok in ihren blauen Seemanspullovern versammelt, und dann das: Akkordeon vergessen, Vorsänger nicht dabei – vorbei ists mit Shanty-Singen. La Paloma, ade. Da sind die Sehnder Schützen, die uns auf unserer vorletzten Regionstour zwischen Kanal und Knast besuchen, schon besser drauf. Sie tragen Grün und haben noch Hoffnung. Mit-Schütze Carsten Elges schreibt in unser Goldenes Buch, dass sich unaufhaltsam auf den letzten 18 Stationen gefüllt hat: „Seit mehr als 300 Jahren üben sich die Sehnder im Scheibenschießen. Irgendwann stellen sich auch Erfolge ein.“ Das ist positives Denken!
Postiv gibt sich auch Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Am Wochenende reichten ihm 490 Stimmen Vorsprung zum Sieg. „Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“, scherzt der humorvolle CDU-Mann, der sich über das Treiben vor seinem Rathaus freut. Links gibt es Eichsfelder Wurstwaren, rechts Reißverschlüsse für einen Euro und dahinter steht ein überdimensionales Schachbrett. Vor dem Rathaus rangiert ein (leerer) Kohlwagen, an der Fassade kleben große, grüne Heuschrecken. Sehnde, eine Stadt voller rätselhafter Symbolik. Wenigsten das Geheimnis der Heuschrecken kann Lehrke lüften. Die XXL-Käfer werben für die „Gartenregion“. „Wenn die Feuerwehr mit der großen Leiter vorbeikommt, holen wir sie mal runter“, plant Lehrke. Kann aber dauern. Hier, wo seit dem Jahr 800 das Land immer wieder gegen die räuberischen Braunschweiger verteidigt werden musste, geht alles ein wenig gelassener als im nahen Hannover zu. Doch die Landeshauptstadt wird nicht verschwiegen: „Ganz nah draußen“ lautet Sehndes Slogan. Ob das auch für die nahe Justizvollzugsanstalt gilt?
Egal. Wenn sich ein Motiv durch unsere Regionsserie zieht, die unwiderruflich auf das große Finale in Bissendorf zusteuert, dann dieses: Dicht dran und doch schön weit draußen im Grünen. Und nah am Wasser gebaut: Denn die Region Hannover ist maritimer als gedacht. An jeder Ecke ein See, ein Teich, ein Fluss, ein Kanal. Und ein Shanty-Chor. Die blauen Jungs aus Bolzum, aus Lohnde, aus Rethen sind alles, nur keine Landratten.
Die Regions-Serie endet, wir setzen uns in den NP-Amarok und melancholisch klingt es aus dem Lautsprecher:
Mein Herz geht an Bord,
Und fort muss die Reise gehn.
Dein Schmerz wird vergehn,
Und schön wird das Wiedersehn.
Mich trägt die Sehnsucht fort
In die blaue Ferne
Unter mir Meer,
Und über mir Nacht und Sterne.
Vor mir die Welt,
So treibt mich der Wind des Lebens
Wein nicht, mein Kind,
Die Tränen, die sind vergebens.






















